Grußworte

2025 – Tricia Tuttle

Tricia Tuttle sitzt lächelnd auf dem Fenstersims eines Büros
Tricia Tuttle © Richard Huebner

„Brauchen wir immer noch queere Filmfestivals?“
Es war wie ein Uhrwerk. Jedes Jahr fragte mindestens ein Journalist: „Brauchen wir immer noch queere Filmfestivals?“ Die Antwort ist, und das war schon immer so, ein klares JA!

Ich hatte das Glück, diese Arbeit bereits in den 1990er Jahren zu beginnen, als viele Pionier*innen vor mir so viele Barrieren überwunden hatten. Aber es gab noch so viel zu tun. Queere Filmemacher*innen und queere Menschen waren leider stark marginalisiert. Wir sahen uns Low-Fi- und DIY-Filme an, die uns auf VHS-Kassetten zusammen mit Pressemappen geschickt wurden, die zu Hause kopiert oder in Kopierläden in der Nachbarschaft angefertigt worden waren. Dank des eng miteinander verbundenen Netzwerks der Filmfestivals wussten wir von Filmproduktionen, die wir wie kostbare Juwelen weiterempfahlen. Aus Empfehlungen von Programmgestalter*innen wurden Entdeckungen und wir förderten die Karrieren dieser Filmemacher*innen. Das ist nach wie vor eine absolut wichtige Arbeit, die ihr alle gemeinsam leistet.

Über diese grundlegende Arbeit der Entdeckung und Unterstützung queerer Filmemacher*innen hinaus sind queere Filmräume sozial und politisch wichtiger denn je. In den Jahren seit dem Aufblühen der Queer-Festivals in den 80er, 90er und 2000er Jahren haben die queeren Communities in Europa viele Veränderungen durchlebt, einige davon sehr zum Besseren: Es wurden Gleichstellungsgesetze geschaffen, um Schutz zu bieten, es wurde sicherer, verschiedene Arten von Familien zu gründen, in denen unsere Kinder (wenn wir uns für eine Elternschaft entschieden haben) ohne Scham und Stigmatisierung leben können, und die trans* und nicht-binären Mitglieder unserer Community begannen zu hoffen und zu erwarten, was ihnen zusteht: dass sie mit Würde und Respekt behandelt werden. Es war eine Freude, die Lebendigkeit des Kinos zu sehen, die aus diesen Veränderungen in der breiteren Kultur und innerhalb der queeren Communities entstanden ist.

So vieles davon wird derzeit in der breiten Kultur angegriffen. Aber wir werden nicht zurück ins Jahr 1997 gehen. Wir haben einander. Eine Armee. Euer Kino ist eine Projektion der Liebe. Und gleichzeitig ein Säbelrasseln. Und wir haben so viele großartige Filmemacher*innen, die unsere Geschichten erzählen können!

Tricia Tuttle
seit 2024 Kreativdirektion und Management bei der Berlinale, 1998–2023 künstlerische Leiterin des BFI Flare: London LGBTQIA+ Film Festival

2024 – Monika Treut

Monika Treut mit Sonnenbrille steht lächelnd auf einer Brücke
Monika Treut © Marie Claire Vericel

Als Filmemacherin, die seit 40 Jahren Filme über lesbische und queere Themen herstellt, ist es mir ein besonderes Anliegen, Euch engagierten QueerScope-Teams für Eure wichtige Arbeit ganz herzlich zu danken. In den 1980er Jahren war die gesellschaftliche Akzeptanz für queere Themen in Deutschland noch unterentwickelt, um es milde auszudrücken. Es gab Unverständnis und teils homophobe Ablehnung. Ohne die damals noch „gay and lesbian" genannten Filmfestivals vor allem in den USA hätten meine ersten Filme wie Verführung: die grausame Frau und Die Jungfrauenmaschine keine nachhaltige Unterstützung erhalten.

Für uns als ältere queere Filmemacher*innen waren die ersten Netzwerke queerer Filmfestivals überlebensnotwendig. Die Situation für queere Filme hat sich in den westlichen Demokratien über die Jahrzehnte glücklicherweise sehr verbessert. Mittlerweile sind Themen aus der LGBTQI+ Community teils sogar in der Mainstream-Kultur angekommen. Das heißt aber keineswegs, dass queere Filmfestivals ihre Existenzberechtigung verloren hätten. Im Gegenteil: die verschärfte Distributionssituation hat dazu geführt, dass viele spannende und innovative Perlen des queeren Kinos viel zu wenig in den lokalen Kinoprogrammen und überregionalen Streaming-Plattformen auftauchen und so nicht die verdiente Aufmerksamkeit erhalten. Hier ist die sorgfältige kuratorische Tätigkeit der QueerScope-Festivals eine großartige Chance, auch für eigensinnige Werke und vor allem auch die Filme begabter queerer Nachwuchstalente. Nicht zuletzt sind Eure Festivals auch extrem wichtig für Filme aus Ländern, die trans- und intergeschlechtliche, lesbische, schwule und nicht-binäre Menschen kriminalisieren. Filme aus diesen Ländern weiten unseren Blick und rufen uns zur internationalen Solidarität mit unserer weltweiten Community auf.

Last but not least bieten Eure Festivals in unserer distanzierten digitalen Welt die Möglichkeit zum Austausch, zur Diskussion, zu persönlichen Begegnungen im und um das Kino, die wir so nötig brauchen, um lebendige Community zu leben. Für 2024 wünsche ich Euch viel Kraft, Energie und trotz aller Schrecken in der Welt Optimismus und viel Freude bei Eurer Festivalarbeit.

Mit herzlichen Grüßen aus Hamburg,
Monika Treut

2023 – Initiative #ActOut

Portrait von Heinrich Horwitz
Heinrich Horwitz © Melina Mörsdorf
Philipp Leinenbach © Thiago Braga

Als Kulturschaffende sehen wir uns auch immer in der Verantwortung, die Welt mitzugestalten. Es ist wichtig, dass wir uns in unserer Kunst Ausdruck geben, Visionen denken und Solidarität und Offenheit (vor)leben können. Wir sind alle Teil der Veränderung von Gesellschaft – die Kunst kann dieser Transformation einen Raum geben, Utopien entwerfen, Gegenentwürfe stärken und neue Geschichten erfinden. Dafür brauchen wir Plattformen wie QueerScope, die die Sichtbarkeit von queeren Geschichten im Film fördern und zugänglich machen. Unabhängige queere Festivals sind wichtig und Eure Arbeit großartig. Wir sehen Eure politische und künstlerische Relevanz und freuen uns, mit diesem Grußwort einen kleinen Teil beitragen zu dürfen. Sich zusammenzutun, sich gegenseitig zuzuhören und zuzuschauen und sichere Räume für einander zu schaffen ist genauso wundervoll wie notwendig. Representation matters!

Das Fortschreiben des Diskurses hin zu mehr Gleichberechtigung und gleichzeitig das Selbstverständnis queeren Lebens als Bestandteil von Kunst zu feiern, ist Teil Eurer Arbeit. Und obwohl wir in den letzten Jahren viel erreicht haben und viele neue Formate zeigen, wie wichtig queere Repräsentation ist, bleibt immer noch viel zu tun. Dafür feuern wir Euch alle an – lasst uns gemeinsam weiter stark sein, weiter miteinander neue Formen finden, mutig und laut sein, Prozesse voranbringen und einander zugewandt voneinander lernen. Wir wünschen Euch und uns viele großartige queere Filme und schicken alle Kraft und Liebe.

Heinrich Horwitz & Philipp Leinenbach
#ActOut

2022 – Claudia Roth

Claudia Roth © Kristian Schuller

Die filmische Sichtbarkeit queerer Lebensweisen ist wichtig – deshalb fördert BKM den Verband der unabhängigen queeren Filmfestivals in Deutschland, QueerScope, und damit auch die angeschlossenen Festivals als Teil dieser Kooperation. Bereits seit 1997 unterstützt QueerScope ein wortwörtlich vielfältiges Filmprogramm und zahlreiche Veranstaltungen zum queeren Film in Deutschland. Darauf können Sie stolz sein!

Vor allem aber feiert QueerScope eins: guten Film – für eine Leinwand, die vielfältiger ist, jenseits von Geschlechterstereotypen und -klischees – so queer und bunt wie das Leben selbst.

Ich danke dem Verband und den engagierten Festivalteams und wünsche allen Besuchern und Besucherinnen neue inspirierende Filmerlebnisse.

Claudia Roth MdB
Staatsministerin für Kultur und Medien

Sven Lehmann

Zwischen Liebe und Hass, Lust und Gewalt, Selbstbewusstsein und Scham: QueerScope zeigt unzählige Geschichten, die das Leben für lesbische, schwule bisexuelle, trans*, inter* und queere Menschen schreiben kann. Dieses sich selbst sehen zu können ist dabei fundamental für das eigene Coming-out und Empowerment, beides Voraussetzung für das Ringen um gesellschaftliche Akzeptanz, Freiheit und Selbstbestimmung.

Als unverzichtbare Orte des Zusammenkommens ermöglichen und schärfen die unabhängigen queeren Filmfestivals auch politisches Bewusstsein. Denn das Private ist nach wie vor hochpolitisch! Mein herzlicher Dank gilt dem großartigen ehrenamtlichen Engagement von QueerScope.

Ich wünsche allen Besucher*innen aufregende Filme, spannende Einblicke und begeisternde Geschichten.

Sven Lehmann MdB
Beauftragter der Bundesregierung für die
Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt