Grußworte
2026 – Sophie Koch

Gerade erfährt die Romanze zweier rivalisierender Eishockeyspieler weltweite Aufmerksamkeit: eine ungewöhnliche, eigentlich unmögliche queere Liebesgeschichte, die ein Publikum weit über die queere Community hinaus begeistert. Dass eine solche Serie heute – wie auch schon manche Filme und Serien vor ihr – im Mainstream Erfolge feiern kann, ist ein Erfolg des queeren Kinos und Films. Queere Filme verändern Wahrnehmung. Sie erweitern den Blick, brechen Stereotype auf und zeigen, wie vielfältig Liebe, Begehren, Familie, Freundschaft und Identität sein können. Damit leisten queere Filmfestivals einen unverzichtbaren Beitrag zur kulturellen und gesellschaftlichen Debatte. Sie machen deutlich: Queeres Leben ist kein Randthema, sondern ein selbstverständlicher Teil unserer gemeinsamen Realität.
Queere Filme schaffen Sichtbarkeit – und diese ist heute wichtiger denn je. In Zeiten, in denen queere Rechte wieder offen infrage gestellt werden, in denen Hass lauter wird und gesellschaftliche Diskurse rückwärtsgewandt erscheinen, braucht es Orte wie queere Festivals. Orte, an denen queere Lebensrealitäten nicht erklärt oder verteidigt werden müssen, sondern selbstverständlich im Mittelpunkt stehen. Orte, an denen Identifikation möglich ist – für queere Menschen, die sich auf der Leinwand wiederfinden, ebenso wie für eine Gesellschaft, die durch diese Geschichten lernt, differenzierter hinzuschauen. Gleichzeitig sind queere Filmfestivals immer auch politische Räume. Sie erinnern daran, dass Rechte nicht selbstverständlich sind, sondern erkämpft und verteidigt werden müssen. Dass Schutz vor Diskriminierung, Gewalt und Ausgrenzung keine abstrakten Forderungen sind, sondern konkrete Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben. Queere Sichtbarkeit ist kein Luxus – sie ist eine Frage von Sicherheit, Würde und Freiheit.
Dass queere Geschichten heute zunehmend auch im Mainstream ankommen, ist ein Erfolg jahrelanger Arbeit mutiger Filmschaffender und engagierter Festivalteams. Es zeigt: Es lohnt sich, queere Geschichten jenseits gängiger Klischees zu erzählen und damit viele Menschen zu erreichen. Queere Geschichten gehören selbstverständlich ins queere Kino – und sie müssen im Mainstream ebenso selbstverständlich werden. Mein Dank gilt allen, die queere Festivals möglich machen: den Organisatorinnen, Kuratorinnen, Filmschaffenden und dem Publikum. Die QueerScope-Festivals sind ein Zeichen der Solidarität, ein Ort der Identifikation und ein starkes Statement für eine offene, vielfältige und gerechte Gesellschaft.
Sophie Koch
Queerbeauftragte der Bundesregierung
2025 – Tricia Tuttle

„Brauchen wir immer noch queere Filmfestivals?“
Es war wie ein Uhrwerk. Jedes Jahr fragte mindestens ein Journalist: „Brauchen wir immer noch queere Filmfestivals?“ Die Antwort ist, und das war schon immer so, ein klares JA!
Ich hatte das Glück, diese Arbeit bereits in den 1990er Jahren zu beginnen, als viele Pionier*innen vor mir so viele Barrieren überwunden hatten. Aber es gab noch so viel zu tun. Queere Filmemacher*innen und queere Menschen waren leider stark marginalisiert. Wir sahen uns Low-Fi- und DIY-Filme an, die uns auf VHS-Kassetten zusammen mit Pressemappen geschickt wurden, die zu Hause kopiert oder in Kopierläden in der Nachbarschaft angefertigt worden waren. Dank des eng miteinander verbundenen Netzwerks der Filmfestivals wussten wir von Filmproduktionen, die wir wie kostbare Juwelen weiterempfahlen. Aus Empfehlungen von Programmgestalter*innen wurden Entdeckungen und wir förderten die Karrieren dieser Filmemacher*innen. Das ist nach wie vor eine absolut wichtige Arbeit, die ihr alle gemeinsam leistet.
Über diese grundlegende Arbeit der Entdeckung und Unterstützung queerer Filmemacher*innen hinaus sind queere Filmräume sozial und politisch wichtiger denn je. In den Jahren seit dem Aufblühen der Queer-Festivals in den 80er, 90er und 2000er Jahren haben die queeren Communities in Europa viele Veränderungen durchlebt, einige davon sehr zum Besseren: Es wurden Gleichstellungsgesetze geschaffen, um Schutz zu bieten, es wurde sicherer, verschiedene Arten von Familien zu gründen, in denen unsere Kinder (wenn wir uns für eine Elternschaft entschieden haben) ohne Scham und Stigmatisierung leben können, und die trans* und nicht-binären Mitglieder unserer Community begannen zu hoffen und zu erwarten, was ihnen zusteht: dass sie mit Würde und Respekt behandelt werden. Es war eine Freude, die Lebendigkeit des Kinos zu sehen, die aus diesen Veränderungen in der breiteren Kultur und innerhalb der queeren Communities entstanden ist.
So vieles davon wird derzeit in der breiten Kultur angegriffen. Aber wir werden nicht zurück ins Jahr 1997 gehen. Wir haben einander. Eine Armee. Euer Kino ist eine Projektion der Liebe. Und gleichzeitig ein Säbelrasseln. Und wir haben so viele großartige Filmemacher*innen, die unsere Geschichten erzählen können!
Tricia Tuttle
seit 2024 Kreativdirektion und Management bei der Berlinale, 1998–2023 künstlerische Leiterin des BFI Flare: London LGBTQIA+ Film Festival
2024 – Monika Treut

2023 – Initiative #ActOut


Als Kulturschaffende sehen wir uns auch immer in der Verantwortung, die Welt mitzugestalten. Es ist wichtig, dass wir uns in unserer Kunst Ausdruck geben, Visionen denken und Solidarität und Offenheit (vor)leben können. Wir sind alle Teil der Veränderung von Gesellschaft – die Kunst kann dieser Transformation einen Raum geben, Utopien entwerfen, Gegenentwürfe stärken und neue Geschichten erfinden. Dafür brauchen wir Plattformen wie QueerScope, die die Sichtbarkeit von queeren Geschichten im Film fördern und zugänglich machen. Unabhängige queere Festivals sind wichtig und Eure Arbeit großartig. Wir sehen Eure politische und künstlerische Relevanz und freuen uns, mit diesem Grußwort einen kleinen Teil beitragen zu dürfen. Sich zusammenzutun, sich gegenseitig zuzuhören und zuzuschauen und sichere Räume für einander zu schaffen ist genauso wundervoll wie notwendig. Representation matters!
Das Fortschreiben des Diskurses hin zu mehr Gleichberechtigung und gleichzeitig das Selbstverständnis queeren Lebens als Bestandteil von Kunst zu feiern, ist Teil Eurer Arbeit. Und obwohl wir in den letzten Jahren viel erreicht haben und viele neue Formate zeigen, wie wichtig queere Repräsentation ist, bleibt immer noch viel zu tun. Dafür feuern wir Euch alle an – lasst uns gemeinsam weiter stark sein, weiter miteinander neue Formen finden, mutig und laut sein, Prozesse voranbringen und einander zugewandt voneinander lernen. Wir wünschen Euch und uns viele großartige queere Filme und schicken alle Kraft und Liebe.
Heinrich Horwitz & Philipp Leinenbach
#ActOut
2022 – Claudia Roth

Die filmische Sichtbarkeit queerer Lebensweisen ist wichtig – deshalb fördert BKM den Verband der unabhängigen queeren Filmfestivals in Deutschland, QueerScope, und damit auch die angeschlossenen Festivals als Teil dieser Kooperation. Bereits seit 1997 unterstützt QueerScope ein wortwörtlich vielfältiges Filmprogramm und zahlreiche Veranstaltungen zum queeren Film in Deutschland. Darauf können Sie stolz sein!
Vor allem aber feiert QueerScope eins: guten Film – für eine Leinwand, die vielfältiger ist, jenseits von Geschlechterstereotypen und -klischees – so queer und bunt wie das Leben selbst.
Ich danke dem Verband und den engagierten Festivalteams und wünsche allen Besuchern und Besucherinnen neue inspirierende Filmerlebnisse.
Claudia Roth MdB
Staatsministerin für Kultur und Medien
Sven Lehmann
Zwischen Liebe und Hass, Lust und Gewalt, Selbstbewusstsein und Scham: QueerScope zeigt unzählige Geschichten, die das Leben für lesbische, schwule bisexuelle, trans*, inter* und queere Menschen schreiben kann. Dieses sich selbst sehen zu können ist dabei fundamental für das eigene Coming-out und Empowerment, beides Voraussetzung für das Ringen um gesellschaftliche Akzeptanz, Freiheit und Selbstbestimmung.
Als unverzichtbare Orte des Zusammenkommens ermöglichen und schärfen die unabhängigen queeren Filmfestivals auch politisches Bewusstsein. Denn das Private ist nach wie vor hochpolitisch! Mein herzlicher Dank gilt dem großartigen ehrenamtlichen Engagement von QueerScope.
Ich wünsche allen Besucher*innen aufregende Filme, spannende Einblicke und begeisternde Geschichten.
Sven Lehmann MdB
Beauftragter der Bundesregierung für die
Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt



